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Messingwerk

Erich-Steinfurth-Straße
16227 Eberswalde


Das erste Messingwerk Brandenburgs entstand 1696/97 in der Nähe des Dorfes Heegermühle und damit auch das erste industriell-gewerbliche Zentrum der Mark.

Einst stand an der gleichen Stelle ein Blechhammer, der ab 1687 sogar durch das kurfürstliche Privileg das Eisenblech- und Zinnwarenmonopol für die gesamte Kurmark Brandenburg bekam. Später wurde dieser durch ein Messingwerk mit wechselnden Pächtern ersetzt. Produziert wurden unter anderem Kessel, Draht, Messinggefäße, Tee- und Kaffeekannen, Haken, Ketten, Knöpfe und Glocken. Im Rahmen einer Modernisierung in der Zeit von 1721 bis 1725 soll auch eine Verlegung der gesamten Werksanlage kanalaufwärts erfolgt sein.

In der kriegsreichen Ära Friedrich des Großen gehörte das Werk zu den wichtigsten Lieferanten der preußischen Rüstungsbetriebe. Die gefertigten Waren wurden auch ins europäische Ausland geliefert und so stieg die Bedeutung des Werkes bis 1786 an – ein Grund für den Staat, das expandierende Werk wieder zu übernehmen. Die Werksanlagen wurden ab 1804 durchgreifend erneuert.

Die Produktpalette wurde ausgebaut. Erstmals in Deutschland war hier die Massenproduktion und -verarbeitung von Zink möglich. Im Jahr 1863 wurde das Messingwerk von der jüdischen Unternehmerfamilie Aron Hirsch & Sohn übernommen, die umgehend eine Modernisierung des Werkes veranlasste. Die Hirsch Kupfer- und Messingwerke wurden immer erfolgreicher und 1906 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mit der einsetzenden Rüstungsproduktion ab 1914 gab es einen zusätzlichen Schub zur enormen Wachstumsphase des Werks. Im Jahr 1917 wird mit der Errichtung eines kompletten Neuwerkes begonnen. Nachdem der Betrieb in das Neuwerk verlegt und weiterhin für Modernisierung gesorgt wurde, konnte die Produktion um mehr als das Dreifache auf 36.957 t pro Jahr gesteigert werden. Somit galt das Neuwerk in Eberswalde als größtes und leistungsstärkstes Messingwerk in ganz Europa. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Familie Hirsch kam es 1932 zur Liquidierung des Unternehmens. 1942 übernahm die AEG das Werk nach mehreren Zwischenverkäufen.

Durch die sowjetische Armee wurde das Gelände 1945 besetzt, die Ausstattung demontiert und ein Großteil der Gebäude abgerissen. In den Jahren 1952 bis 1955 wurde auf dem Gelände das seinerzeit modernste Warmbandwalzwerk der DDR geschaffen.

Architektonisch prägend war die von Siegmund Hirsch ab 1913 engagierte Architektengemeinschaft von Paul Mebes und Paul Emmerich. Bis 1929 hinterließen Sie hier eines ihrer Hauptwerke, wozu auch das Torbogenhaus, der Wasserturm und die Wohnhäuser am Gustav-Hirsch-Platz gehören.